Hintergrund

Warum REACT? Hintergrund und Scope des Forschungsvorhabens

Warum gute Evidenz allein noch keine gute therapeutische Entscheidung macht – und welchen Beitrag REACT dazu untersuchen soll.

Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Empfehlung

Eine Leitlinie kann eine klare Empfehlung geben. Im Therapieraum bleibt trotzdem die entscheidende Frage: Was heißt das für diesen Menschen, mit dieser Belastbarkeit, diesen Zielen und diesem Tag? Für Therapeutinnen und Therapeuten beginnt die eigentliche Arbeit deshalb häufig erst nach der Empfehlung.

Im klinischen Alltag liegen relevante Informationen oft verteilt vor. Sie müssen unter Zeitdruck gesichtet, eingeordnet und auf eine konkrete Behandlungssituation übertragen werden. REACT setzt genau an dieser Übersetzungsleistung an: Nicht das bloße Auffinden von Wissen steht im Vordergrund, sondern seine nachvollziehbare Verbindung mit dem individuellen Fall.

Was REACT untersuchen soll

REACT steht für Reasoning-Enhanced AI Companion for Therapeutic Decision-Making. Das Forschungsvorhaben untersucht, wie ein KI-gestützter Clinical Reasoning Companion therapeutische Entscheidungsprozesse künftig unterstützen könnte.

Der untersuchte Companion soll relevante Informationen aus drei Perspektiven strukturiert zusammenführen:

  • Evidenz und Leitlinienwissen,
  • Informationen zum individuellen Behandlungsfall sowie
  • Aspekte der therapeutischen Umsetzung.

Auf dieser Grundlage sollen nachvollziehbare Behandlungsvorschläge entstehen. Sie sollen eine fachliche Entscheidung nicht ersetzen, sondern Entscheidungsaspekte sichtbar machen, Informationen ordnen und die eigene klinische Bewertung unterstützen.

Warum Krafttraining nach Schlaganfall?

Als exemplarischer Anwendungsfall betrachtet REACT Krafttraining zur Therapie der Mobilität nach Schlaganfall. Nach einem Schlaganfall können Muskelschwäche und motorische Einschränkungen die Steh- und Gehfähigkeit sowie die funktionelle Unabhängigkeit beeinträchtigen.

Krafttraining ist für das Forschungsvorhaben besonders geeignet, weil seine Planung mehrere Entscheidungsebenen verbindet: Zielsetzung, Indikation, Belastbarkeit, Dosierung, Übungsauswahl, Progression, Sicherheit, Monitoring und persönliche Präferenzen. Damit lässt sich untersuchen, wie allgemeines Wissen fallbezogen und praktisch umsetzbar aufbereitet werden kann.

Der Anwendungsfall ist zugleich klar begrenzt. REACT untersucht nicht die gesamte Schlaganfallrehabilitation und entwickelt keine allgemeingültigen Therapiepläne. Krafttraining dient als konkretes Beispiel, an dem sich die Funktionslogik eines Clinical Reasoning Companion nachvollziehbar prüfen lässt – vom Wissen über die Fallinformationen bis zum begründeten Vorschlag.

Assistenz statt automatisierter Entscheidung

Im Mittelpunkt steht ausdrücklich keine autonome Therapie-KI. Der Companion soll weder Behandlungen verbindlich vorgeben noch therapeutische Verantwortung übernehmen. Die fachliche Bewertung, die Prüfung der Situation und die finale Entscheidung bleiben bei den behandelnden Fachpersonen.

REACT untersucht, wie KI-Technologie professionelles Clinical Reasoning stärken kann – nicht, wie sie es ersetzt.

Das Vorhaben bleibt ein wissenschaftlicher Forschungsprototyp. Es ist kein validiertes Medizinprodukt und nicht für reale, eigenständige Therapieentscheidungen bestimmt. Untersucht werden die Machbarkeit, der mögliche Nutzen und die Grenzen eines solchen Ansatzes.

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